Die Friedrich Rohwedder GmbH (nicht zu verwechseln mit der Rohwedder AG) wird noch in diesem Jahr zusammen mit DBM eine Kolibri Version des preisgekrönten Elektronutzfahrzeugs Goupil g3 (Goupil Industries) herausbringen. Mithilfe des Kolibri Akkus wird es erstmalig möglich, die Kosten pro gefahrenen Kilometer unter 1 Cent zu senken. Nachzulesen gibt es die Info hier.

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Von einem pressw0rdsleser wurde ein hoch interessanter Hinweis gegeben, der nach etwas Recherche zu folgender Pressemeldung führte. Was auch immer passiert – ihr habt hier zuerst davon erfahren ;-) mindset (ein Elektroautoprojekt der nicht unumstrittenen Mindset AG) kooperiert seit Anfang 2011 mit einem nicht namentlich genannten Akku „Entwickler/Erfinder“. Die Formulierungen legen Nahe, dass es sich dabei um DBM Energy handeln könnte:

  • der Zeitraum passt (Anfang 2011)
  • die „bahnbrechende Innovation“ zeigt in Laborversuchen und in einer industriellen Anwendung spektakuläre Ergebnisse. Kommentar: Laborversuche=Test der BAM/Dekra und Papstar= „Industrie“partner
  • der Akku setzt in den Bereichen Batteriereichweite, -gewicht und -leistung neue Maßstäbe
  • wesentliche Belastungstests (Schnellladungen, die Überprüfung des thermischen Verhaltens und die angestrebten Reichweiten) wurden bisher entweder erfüllt oder sogar übertroffen

Weitere Infos:

  • Mindset wird diese Technologie „im Bereich der automobilen Anwendung exklusiv umsetzen
  • eine öffentliche Probefahrt wird stattfinden wenn alle „noch anstehende Sicherheitstests zur Bestätigung der breiten Alltagstauglichkeit erfolgreich abgeschlossen sind […] (mindset verzichtet daher zum heutigen Zeitpunkt auf eine öffentliche Vorstellung dieser Kooperation und deren Ergebnisse)“
  • mindset wertet den bisherigen Projektverlauf aber als strategisch wichtigen Entwicklungsschritt und geht von einer technologisch ausgereiften, erfolgreichen öffentlichen Demonstration in den nächsten Monaten aus

Als Ausklang ein interessanter Satz zum Nachdenken und Diskutieren: „Die Technologie basiert auf konventionellen Batteriezellen, die über ein spezielles Lade- und Entladeverfahren weit höhere Reichweiten für die mindset-Fahrzeuge erlaubt, als in der Industrie bisher denkbar waren.

Update: Cleanthinking hat das Thema aufgegriffen.

Ein kurzer Sommerloch Artikel ;-) DBM Energy ist mittlerweile unter etlichen Domains erreichbar. Hier eine kleine Auflistung:

 Domains URLs
DBM Energy dbm-energy.com
dbm-energy.de
Lekker Mobil
lekkermobil.com
lekkermobil.de
lekker-mobil.com
lekker-mobil.de
Kolibri Power Systems AG kolibri-ag.com
kolibri-ag.de
DBM Industries
dbmindustries.net
dbmindustries.org
dbm-industries.org
dbm-industries.net
dbm-industries.com
Andere
heimspeicher.com
dbm-technologies.com
dbm-world-record-car.com
Domains ohne Inhalt
dbmindustries.info
dbm-industries.info
dbm-sar.com

Die DBM-Industries Domains waren lange Zeit ohne Inhalt und werden seit dieser Woche auf die offizielle DBM Homepage weitergeleitet. Die zugehörigen .info Domains wurden dabei wohl vergessen. dbm-sar.com steht für DBM Search & Rescue, ist jedoch auf Mirko Hannemann registriert. Die dbm-world-record-car.com Domain wurde wohl von einem DBM Mitarbeiter kreiert, jedoch nie mit Inhalten gefüllt. Wer weitere (DBM Energy) Adressen kennt, bitte Info an mich…

Update: Scheinbar macht es einen Unterschied ob man www.dbm-industries.com oder nur dbm-industries.com aufruft. Ohne www erscheint immer noch die alte ‚Hier entsteht eine Internetpräsenz‘ Meldung.

Bisher nur auf englischsprachigen Seiten verbreitet, gibt es die These, dass es sich bei der Kolibri Batterie um einen Lithium Vanadium Metall Polymer Akku handelt. Der ursprüngliche Artikel stammt vom neuseeländischen Blog benzEV.co.nz. Die Theorie basiert auf der Annahme, dass der Kolibri Akku von DBM Energy auf der LMP Technologie von Avestor basiert. Avestor benutzte für seine LMP Batterien eine Vanadium Kathode, beschrieben beispielsweise hier , hier und hier. Avestor wurde später von der französischen Bollore Group gekauft, die daraus batScap gegründet haben und zusammen mit Pininfarina den Bluecar entwickelt haben. Der Bluecar nutzt als einer der wenigen Elektroautos LMP Akkus. Später wurde der benzEV Artikel von diversen vanadiumabbauenden Bergbaufirmen (z.B. Energizer Resources) und Börsenanalysten aufgegriffen. Es gibt aber auch noch weitere Artikel die der Kombination Lithium-Vanadium durchaus Eignung für eine Batterie zusprechen, u.a. hier, hier, hier und hier. Bisher war Vanadium lediglich von Vanadium-Redox-Batterien bekannt.

Im ersten Teil des tv.Berlin Interviews (ab 02:00) erwähnt Mirko Hannemann ein Magazin, welches zum Amtsantritt von Obama erschienen ist und DBM Energy erwähnt. Das scheint ein wichtiger Startpunkt gewesen zu sein, denn daraufhin sind Industrieunternehmen auf DBM aufmerksam geworden und die Entwicklung von DBM Energy nahm seinen Lauf. pressw0rds hat recherchiert und einen potentiellen ‚Magazinkandidaten‘ gefunden:
FUCHS-BRIEFE, 63. Jahrgang / 59 – 30.07.2009: Der Obama-Impuls – Beginn einer neuen Investment-Ära. Der Artikel im Heft war mit „Neue Energiespeicher“ überschrieben. Der Artikel selbst ist hoch interessant, da es einer der ersten Artikel über DBM überhaupt ist:

  • die Lebensdauer des Akkus ist mit 5000 Ladezyklen und 10 Jahren angegeben
  • Temperaturbereich von -20 bis +60°C (keine extra Kühlung)
  • der Akku ist eine „neuartige Kombination aus Lithiumzelle, Schutzmodul und Steuerungstechnik“ (Zitat MH)
  • die Zeit für eine Nutzung im Elektroauto sieht MH noch nicht gekommen
  • der Akku wird als Zwischenspeicher für Energie aus alternativen Quellen ins Gespräch gebracht
  • Entwicklungskosten 15 Mio Euro
  • die Kosten des Akkus werden erwähnt

Die Quelle ist zwar veraltet, jedoch ist das die erste „offiziellere“ Quelle hinsichtlich der Kosten. Folgende Rechnung wird getätigt:

Kosten             Bleiakku Gabelstapler                 Lithiumakku von DBM 
Kaufpreis:       4000-5000 Euro (37,2 kWh*)      7000 Euro (26,88 kWh*)
Energiekosten/Jahr: 4835 Euro**                             604 Euro**
Wirkungsgrad:    10%                                              97%
Ladedauer:        6-8 Stunden                                  2 Stunden
* von pressw0rds ergänzt ** im Artikel werden 20-25 Cent / kWh angegeben

Die Kosten für den Bleiakku sind stark übertrieben (vgl. älterer Artikel von pressw0rds, Preis ca. 2200 Euro). Mit dem realistischeren Preis stimmt auch die Aussage von Gregor Falke wieder, dass der Kolibri Akku etwa das Vierfache eines Bleiakkus für Gabelstapler kostet. Das ist aber immernoch weit unter dem heutigen Preis für (andere) Lithiumbatterien von 1000 Euro / kWh.

Fazit: Bis auf kleinere Abweichungen im Temperaturbereich stimmt alles mit dem heutigen Stand überein. Bei den Elektroautos muss man den Kommentar entsprechend zeitlich einordnen – denn erst ein halbes Jahr später standen die Vertreter des BMWi vor der Tür und 1,5 Jahre später wurde die Rekordfahrt durchgeführt. Auf diesem Gebiet hat sich also viel getan. Die Kosten sind ein historischer Anhaltspunkt – für mehr reicht es (leider) jedoch nicht…

Es gibt einen Artikel über den Feldtest von Next Energy. Veröffentlicht zunächst in der Berliner Zeitung und einen Tag später auch bei der Autogazette. Der Artikel liefert erste tiefergehende Infos über den Langzeittest und das, laut Aussage von Next Energy auch „sachlich weitgehend richtig dargestellt“. Neue Informationen:

  • das Oldenburger Streckenprofil besteht jeweils 1/3 aus Autobahn, Landstraße und Stadtverkehr
  • die eAudis haben ein System zur Bremsenergierückgewinnung
  • die eAudis haben ebenfalls ein „traditionelles“ Getriebe:  „Die Fahrstufen haben eine Doppelfunktion. Einerseits lassen sie mehr Drehmoment zum Beschleunigen zu. Andererseits aber begrenzen sie das Drehmoment. Das schont die Batterie […]
  • die Kolibri Akkus sind von hoher Qualität, das bestätigt auch Swen Streubel von L.E. Mobile, Umrüster aller fünf eAudis mit Kolibri Akku: „[…] wenn man sich die Qualität der Daten im Batteriemanagement anschaut, dann sieht man schon: Die Werte der Einzelzellen weichen kaum voneinander ab, liefern die erwarteten Kapazitäten und sind wesentlich belastbarer als andere, die wir im Einsatz hatten.
  • Nach dem Test bei Next Energy gehen die drei eAudis an das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Wie im letzten Interview von Mirko Hannemann erwähnt, muss es irgendwo einen Heimspeicher mit Kolibri Akkus von DBM Energy geben. Pressw0rds recherchiert mögliche Partner:

1.) Heimspeicher von E3/DC
E3/DC ist aus der Insolventen Wilhelm Karmann GmbH hervorgegangen und ist einer der Partner im GridSurfer Projekt, bei dem auch DBM Energy mit drei eAudis beteiligt ist. Interessanterweise bietet die Firma Hauskraftwerke der Größe 5,4-9 kWh an, was zur Aussage Mirko Hannemanns von 5-10kwH passen würde. Weiterhin kooperiert E3/DC mit dem Solarhersteller SES21. Auf ihrer Homepage schreiben Sie zwar: „Die Batterieeinheit besteht aus hochwertigstem Li-Ionen Zellen (Typ 18650) eines führenden japanischen Herstellers“ jedoch kann die Batterieeinheit sehr leicht getauscht werden. Ebenfalls schreibt E3/DC in folgendem Produktflyer von einem Batterieladewirkungsgrad der Batterie von 97%. Ring a bell?

2.) Energiespeicher von Younicos/Solon
In einem Artikel der Wirtschaftswoche aus dem vergangenen Jahr wird eine Kooperation von DBM Energy und Solon SE erwähnt, einem deutschen Solarenergieunternehmen mit Sitz in Berlin:  „Zusammen mit Solon, dem Berliner Photovoltaik-Hersteller, arbeitet er (MH) an einem Schuhkarton großen Akku mit einem Speichervermögen von bis zu fünf Kilowattstunden, der im Keller eines Hauses die auf dem Dach eingefangene Sonnekraft puffern soll. Solon-Technikvorstand Lars Podlowski will den Stationärspeicher in zwei bis drei Jahren serienreif haben. […]“ Solon selbst hat keine Energiespeicher im Programm, sondern kooperiert mit Younicos, einer Firma die von Solonfirmengründer Alexander Vogt gegründet wurde. Zitat aus einem Artikel über Younicos: „Voigt gründete 1997 gemeinsam mit Freunden in Berlin die Solon AG, die in Europa zu den größten Photovoltaik-Anbietern zählt. 1999 baute das Unternehmen Q-Cells mit auf, um die Anlagen auch selbst herzustellen. Seit 2008 ist Voigt Vorstand der Younicos AG, die er im selben Jahr gegründet hat und die auf Speichertechnik spezialisiert ist.“ Younicos hat unterschiedliche Energiespeicher im Programm:

  • Mobiler Bürospeicher (0,7 kWh)
  • Heimspeicher (4 – 12 kWh)
  • Ladestation mit Speicher
  • Großspeicher z.B. für die autonome Energieversorgung (1 MWh Testanlage im Berliner Adlershof bei Solon, Simulation einer autarken Versorgung einer Gemeinde mit 1500 Einwohnern)

3.) Speicher der SBWW GmbH
Bei den Speichern wird neben Bleiakkus, Redox-Flow Batterien auch der Kolibri Akku erklärt. Warum sollten sie das tun, wenn sie keinen anbieten?

Fazit:
Neben der Kooperation im Bereich der Heimspeicher könnte Younicos/Solon ebenfalls Partner beim Bau der 10 MWh Anlage sein – die Erfahrung bringen sie zumindest mit … Wer auch immer die Partner und Kunden von DBM Energy bzw. der Kolibri Power Systems AG sind, wir werden es in den nächsten Tagen erfahren…

Das Management der KPS AG besteht derzeit aus vier Personen:

1. Mirko Hannemann (DBM Energy)
2. Helmuth von Grolman (Unternehmensberater, ehemaliges Mitglied der Geschäftsbereichsleitung der Daimler Benz AG)
3. Richard Leitermann (Rechtsantwalt u. a. für Wirtschafts-/Unternehmensrecht, Gesellschaftsrecht)
4. Richard Gaul (selbstständiger Kommunikationsberater, 22 Jahre Kommunikationsdirektor bei BMW,  berät u.a. acatech, Bundesverband der Industrie, PR-Manager des Jahres 2005, u.v.m., sehr sympatisches tv.Berlin Interview: Teil 1 und 2)

Update aus einem aktuellen Artikel von cleanthinking: Die URLs für die KPS AG sind vermutlich kolibri-ag.com. und kolibri-ag.de.

tv.Berlin hatte in der Sendung ‚Standort Berlin‘ mit Peter Brinkmann Mirko Hannemann zu Gast. Aufgenommen wurden die Videos in der Zeit vom 08.05-15.05.2011. Ein Interview: Teil 1 und  Teil 2 (Laufzeit 24:58min)

Wie groß ist (war) die (Lekker Mobil) Batterie?

Die Batterie war im Bereich Ersatzrad/Rücksitzbank verbaut. Das Volumen/Platzerfordernis ca. 3x so groß wie ein Tank, mit einer Höhe der Batterie von ca. 30cm.

Woher kommen die 15. Mio für die Forschung?
Fast alle Gelder (~95%) aus den Aufträgen wurden in die Forschung/Entwicklung gesteckt + ein „bißchen familiäre Unterstützung. […] Wir haben die letzten 6 Jahre tatsächlich nur für dieses Forschungsvorhaben gelebt.

Kommentar und These: Die Personalkosten von 15 Leuten in 6 Jahren betragen ca. 5 Millionen Euro (+-1 Mio). Verbleiben 10 Mio. Euro an Geldern aus den Aufträgen.

Was ist das Besondere an der Kolibri Batterie?

DBM ist es laut Aussage von MH gelungen den Separator noch dünner und filigraner, jedoch gleichzeitig so stabil zu gestalten, dass dieser extreme Belastungen aushält und sehr langlebig ist.

Kommentar: Das klingt durchaus plausibel. Li-tec scheint ein ganz ähnliches Konzept zu verfolgen: Sie haben eine Separatorfolie aus einem Keramikpulver entwickelt, die viel höhere Temperaturen aushält. Das macht die Akkus sehr langlebig und leistungsstark.

Warum gibt es bisher kaum Detailinformationen zur Technologie oder zu Patenten?

Zitat: „In der Firmengröße wie wir heute sind, haben wir ein sehr starkes Know-how Schutzbedürfnis. […] Und um nicht einfach das Know-How „blanko“ abzugeben, versuchen wir natürlich die Verträge zu unseren Gunsten zu gestalten. Und das ist eben nicht immer im Interesse der Autobauer. Hinzukommt, dass das Unabhängigkeitsverhältnis von Zulieferern für Autobauer enorm wichtig ist. So gibt es auch Stimmen die sagen: „nur Hannemann allein kann es ja nicht sein“ […]“

Informationen zu den Heimspeichern:

„Wir arbeiten diese Tage daran, dieses Batteriesystem in weitere Systeme, wie die stationären Energiespeicher, wie die Elektromobilität so  zu integrieren, dass es ein fester Bestandteil für zukünftige Systeme wird. […] Wir liefern unsere Technologie an verschiedene Hersteller von Solarmodulen, eben zum Speichern der Sonnenenergie wenn sie überschüssig ist. Das wird heute schon getan. […] Genau das ist ein Heimspeicher.  Das ist ein klassisches Produkt von uns.  […] Wir reden in einem klassischen Haushalt von 5-10kWh.“

 

Es gibt ein neues Interview der Berliner Zeitung und Mirko Hannemann. Neben einigen Infos aus dem letzten Artikel, ist folgendes erwähnenswert:

  • M.H. wurde gefragt warum DBM aus der Technologie nach wie vor ein großes Geheimnis macht? „[…] Wenn wir nach wie vor vorsichtig sind, dann deshalb, weil wir in solchen Verhandlungen befürchten, wegen ungleicher Verhandlungsstärke über den Tisch gezogen zu werden.“
  • der Daimler-Forschungschef hat DBM zur Mitarbeit in der Nationalen Plattform Elektromobilität eingeladen
  • Wie ist M.H. auf die Batterietechnologie gekommen? „Es begann mit der Entwicklung eines Messverfahrens für chemische Batteriespeicher. Damit hatten wir gewissermaßen die Batterie-DNA entschlüsselt und erfahren, welche der etwa 1500 Parameter wir beeinflussen müssen, um genau definierte Ergebnisse zu bekommen. […]“
  • DBM benötigt 9-12 Monate für eine Serienproduktion
  • Kosten für ein Elektroauto mit 300 km Reichweite muss nicht teurer sein als ein ähnliches „normales“ Auto.
  • Die Kolibri Batterie ist „definitiv“ die Entwicklung von Mirko Hannemann
  • Frage zum Schutz des DBM Knowhows: „Soweit wie wir das für nötig halten.
  • Kann denn garantiert werden, dass keine fremden Patente verletzt werden? „Wir haben da weiterentwickelt, wo andere aufgegeben haben, fremdes Know-how ist da, wo wir uns bewegen, nicht vorhanden.“
  • DBM sieht die Zukunft eher im Bereich der Energiespeicherung im großindustriellen Maßstab. Dort könnten im nächsten Jahr bereits 300 Megawatt installieren werden

„Blender oder Wunderkind?“ titeln Welt online und die Morgenpost (pdf) in einem aktuellen Artikel. In dem Artikel wird zunächst kurz die Geschichte von DBM angerissen („was bisher passierte“) und im Anschluss ein Gespräch mit Mirko Hannemann wiedergeben. Die Aussagen, beziehungsweise wie diese wiedergegeben wurden klingen teilweise sehr fragwürdig, vor allem die Angaben zu den Gewinnen…

  • DBM beschäftigt 200 Leute (Nachtrag: Dies aber nur auf Honorarbasis. Festangestellt sind ca. 15 Leute)
  • produziert wird in Europa
  • Wie wird die Batterieproduktion finanziert? Die Kunden bezahlen Vorkasse
  • Dieses Jahr wird DBM einen dreistelligen Millionengewinn machen (und natürlich Umsatz) – diese Aussage stehen angeblich konträr zu der Aussage von Markus Röser im April, der da noch von einem Umsatz im einstelligen Millionenbereich redete

Update: Etwas Aufklärung zu den obigen Zahlen gibt es im Interview der Autogazette:

  • Nach erfolgreichen Test von BAM und DEKRA sind auch die Automobilhersteller wieder offener. Man hat eine Einladung von Daimler-Entwicklungsvorstand Thomas Weber bekommen und saß mit BMW und Audi zusammen
  • Audi und BMW zeigt sich interessiert – DBM will die Technologie (verständlicherweise) nicht aus der Hand geben. Nun soll die Batterie von einer (weiteren) unabhängigen Instanz geprüft werden
  • das Lekker Mobil wurde nicht mit 275.000 sondern mit 250.000 Euro gefördert
  • potentielles Ziel für dieses Jahr ist ein Auto mit einer Reichweite von 1.000km oder gar ein elektrisch betriebener Rennwagen
  • in Berlin-Brandenburg wird das größte Akku-Kraftwerk Europas mit einer Leistung von 10 MW gebaut
  • Umsatz DBM 2011: dreistelliger Millionenbereich
  • der Kolibri Akku hat eine Lebensdauer von 300.000km
  • ca. 30.000 Euro könnte ein Elektroauto mit Kolibri Batterie kosten welches ein Autobauer ab 1.1.2012 auf den Markt bringen würde

Kommentar: In diversen weiteren Artikeln ist „lediglich“ von einem dreistelligen Millionenumsatz die Rede – nicht Gewinn. Die Information aus dem Artikel der Welt/Morgenpost kann also als falsch betrachtet werden.

Der Tagesspiegel berichtet ebenfalls über den Alltagstauglichkeitstest der drei Next Energy eAudis. Dabei wird nicht nur die offizielle Pressemeldung wiedergegeben, sondern ebenfalls Mirko Hannemann und Christian Liebich vom Wirtschaftsministerium befragt. In der Vergangenheit wurde von der Autobild der Kaufpreis als zu hoch bemängelt – der Tagesspiegel bringt die Antwort treffend auf den Punkt:

„Next Energy begründete seine Anbieterwahl damit, dass die Serienfahrzeuge einiger ausländischer Hersteller spätestens nach 70 bis 150 Kilometern nachgeladen werden müssten, was für Fahrten außerhalb der Städte ungeeignet sei. […] Andere Fahrzeuge mit einer ähnlichen Reichweite hätten kurzfristig nicht zur Verfügung gestanden – schon gar nicht von den deutschen Herstellern. „Von der Gegenseite kommt aktuell nichts“, sagte Liebich  mit Blick auf die Kritik deutscher Hersteller an DBM. Dabei sei offenkundig, dass „alles, was die ganze Welt sucht, in Deutschland zu haben ist“. „Trotzdem wird DBM madig gemacht.““

Die Headline der Autobild wäre zu interessant gewesen, wenn die Fördergelder ins Ausland geflossen wären. Weitere erwähnenswerte Infos aus dem Artikel:

  • nach erfolgreichem Test von BAM und DEKRA gab es Gespräche mit BMW und Audi, die jedoch daran scheiterten technisches Know-how preiszugeben. Nun wird ein neutraler Prüfer gesucht
  • DBM produziert laut Mirko Hannemann „alles in kleinster Stückzahl“ – weitere Kostensenkungen sind erst durch Massenproduktion möglich
  • noch dieses Jahr wird eine eigene Batteriefabrik (ca. 20.000 qm) im Rheinland produktiv gehen
  • dort sollen aber vor allen stationäre Speicher für Energie aus alternativen Quellen gefertigt werden

Es gibt ein interessantes Video vom VDE Kongress 2010 in Leipzig. Dort hat Mirko Hannemann einen kurzen Vortrag gehalten (ab Minute 4:50-10:30). Nennenswerte Infos:

  • Mirko Hannemann sieht sich nicht als alleiniger Erfinder der Technologie, es ist eine Teamleistung
  • DBM hat 3M als externe Forschungskapazität
  • es gibt externe Finanzmittel- und Möglichkeiten um Forschung zu betreiben
  • DBM ist nicht nur Vertreter der Lithium Metall Polymer Technologie, sondern besitzt ein „Zellportofolio“ von 700 Zellchemien/Zellen . LMP ist nur ein Beispiel davon

Kommentar:
Das sind zwar keine eindeutigen Antworten wie sie von einigen gefordert werden, jedoch kann das der erste Teil einer Antwort sein:

  • Wie ist Mirko Hannemanns Aussage von 50 Leuten zu erklären, die an der Entwicklung beteiligt waren? 3M und DBM Mitarbeiter.
  • Woher stammen die 15 Mio. Euro die in die Entwicklung/Forschung investiert wurden? Extern, 3M? und aus privater Hand.
  • Warum gibt es scheinbar widersprüchliche Aussagen zu den Energiedichten der Kolibri Batterien? Die Akkus besitzen eine andere Zellchemie/Zusammensetzung und je nach Anforderung an Leistung/Gewicht und Kosten wird ein anderer Typ genutzt.
  • Warum gibt es keine Patentanmeldungen auf Mirko Hannemann? Werden die Patente von 3M gehalten?

Update: In einer vorherigen Session (ab Minute 25:30) wird in einer Diskussionsrunde eine Frage zu der Lithium-Metall-Polymer Technologie von DBM gestellt. Den Abschluss bildet ein gutes Statement von Andreas-Michael Reinhardt vom IKT-EM.

In einem Kommentar zu einem pressw0rds Artikel wurde folgendes geschrieben: „Fassen wir mal zusammen, was uns DBM bisher so alles unterjubeln wollte bzw. was hier und andernorts daraus gemacht wurde. Demnach hat DBM Batterien, die…“

“ ca. 300 Wh/kg Energiedichte aufweisen“
Richtig ist:  Es scheint drei unterschiedliche Versionen zu geben: 280 Wh/kg (Lekker mobil), 170  Wh/kg (Silberpfeil und 3 Next Energy Audis) und 140 Wh/kg (Gabelstapler Papstar).

“ „sicher“ sind“
Richtig: Die Kolibri Akkus wurden von der BAM nach dem „UN- Prüfhandbuch zur Beförderung gefährlicher Güter“ getestet und haben den Test bestanden. Die Akkus dürfen also problemlos transportiert werden.

„auch im Auto nicht klimatisiert werden müssen“
Richtig: Laut Aussage von DBM weist die Batterie einen Einsatzbereich von -20 bis +60 °C auf, die BAM testete über eine Temperaturspanne von -40 bis +75 °C. Es ist keine zusätzliche Klimatisierung notwendig.

„als Komplettpack ca. 1.000 Dollar kosten“
Richtig ist: Zu den Preisen wurden bisher noch keine verlässlichen Angaben gemacht. Bisher gibt es zu den Preisen folgenden Aussagen:

  • (Offiziell – Mirko Hannemann und Markus Rösler) „Batterie und Strompreis liegen bei 7,20 Euro auf 100 KM“
  • (Inoffiziell Papstar – Gregor Falke) „Der Akku aus Berlin kostet etwa viermal so viel wie der alte Bleispeicher.“
  • (Inoffiziell – Peter Hoffmann, The Hydrogen and Fuel Cell Letter) „[…] estimates that the mass-production cost of a 98.8 kWh version of the pack would range from 800 to 1,000 euros, or from about $1,100 to $1,400 […]“
  • (Inoffiziell – Berliner Zeitung 1.2.2010) „Hannemann kalkuliert mit der Hälfte des Aufwandes, der für Lithium-Ionen-Batterien notwendig ist. Er kann sich eine weitere Halbierung vorstellen, würden seine Akkus in größeren Stückzahlen hergestellt.“
  • …150 Euro / kWh ….und viele andere Mutmaßungen / Schätzungen / Interpretationen

„in 6 Minuten zu laden sind (Technologie dazu existiert, wird aber nur intern verwendet)“
Richtig ist: In älteren Artikel ist zunächst von 20 min die Rede (z.B. FAQ Lekker). In einem aktuelleren Interview gibt Mirko Hannemann die Ladezeit mit 10 min an (Schnellladefunktion von 95% in 10min). Die Angabe von 6 Minuten geht auf einen Artikel der Webseite gm-volt.com zurück.  In einem Update (Kommentar 71) sagt Markus Röser angeblich folgendes: „Regarding the recharging time we use internal our own Power Bricks, an energy storage system, with 600 kW.“ Das heißt es gibt also einen 600 kW Netzteil / Transformator mit Batterie, die für das Aufladen einer 98 kWh Batterie benutzt werden kann. Fazit: Es gibt eine Schnellladefunktion, wie diese funktioniert und wie lange es dauert ist derzeit unklar.

„5.000 Zyklen durchhalten“
Richtig: In einer aktuellen Pressemeldung gibt DBM Energy 5.000 Ladezyklen an. In älteren Berichten waren es 2000 / 2500.

“ aktuell in größeren Mengen produziert werden“
Richtig: In einem Vortrag von Mirko Hannemann im Mai 2011 steht „05/2011 Beginn der Großserienfertigung“. Im Interview mit dem ADAC wird die Fertigungskapazität im Jahr 2011 insgesamt auf 50MWh angegeben.

„in kleineren Mengen seit Jahren im Praxiseinsatz sind“
Richtig: Der Akku ist seit 2009 z.B. bei Papstar im Einsatz. Unbestätigt ist der Einsatz bei ALDI. Nicht bestätigt hat sich der Einsatz bei der Spedition Eberl.

„von konkurrierenden Firmen für mehrere hundert millionen gekauft werden wollten“
Richtig: Stammt aus einem Artikel der Wirtschaftswoche.

„nicht patentrechtlich geschützt sind“
Richtig ist: Eine der wenigen Aussagen zu diesem Thema findet sich im Interview mit dem ADAC: „Aus Gründen des Wettbewerbsschutzes möchten wir hierzu generell keine Aussagen mehr machen. Unser Knowhow ist sowohl rechtlich wie auch physisch geschützt.“ Alles Weitere ist Spekulation.

In einer Pressemeldung gibt Next Energy (NE) einige Informationen zu der Alltagstauglichkeitsprüfung.

Fakten:

  • die drei Audis wurden von L.E. mobile umgebaut (wie von pressw0rds bereits gemutmaßt)
    • Viersitzer, geräumiger Kofferraum
    • elektr. Sitzheizungen, elektr. Fensterheber, elektr. Klimaanlage, etc. pp.
  • neuartige Economy-Anzeige -> Aufschluss über die Effizienz des aktuellen Fahrstils
  • Akkus sind Kolibri Akkus von DBM Energy
    • 40 kWh
    • Reichweitenangabe von NE pro Akkuladung > 200km
  • bis September soll jedes Auto mindestens 15.000 Kilometer zurückgelegt haben

Kommentar von pressw0rds:
Frage: Warum  so sparsam bei der Reichweitenangabe? Bisher war doch immer von 300km die Rede…?
Antwort: (Mutmaßung) Es sind 30 Akkupacks (60 Zellen) verbaut mit folgenden Daten:

  • 30 Akkupacks (pro Pack 2 Zellen und 1,368 kWh)
  • 41,04 kWh
  • 240 kg Akkugesamtgewicht
  • umgerechnet auf den Dekra Reichweitentest (454,82 km bei 62,928 kWh) ergibt das knapp 297 km

Daher ist auch die bisherige Angabe von 300km zu erklären. Next Energy stapelt demnach lieber zu tief als zu hoch…

SKANDAL UM FÖRDERGELDER titelt die Autobild in der morgigen Ausgabe Nr. 22. Unter den kritischen Stimmen scheint die Autobild langsam den ADAC abzulösen. Es werden Gerold Neumann (GN) mit „zu viel“ und der Bund der Steuerzahler(BdSt) mit „Verschwendung von Steuergeldern“ zitiert.

In Rahmen des Forschungsprojektes „GRID Surfer“ (vgl. Artikel vom Mai 23, 2011) kaufte Next Energy drei von DBM Energy und L.E. mobile umgebaute Audi A2 um diese einem 3-monatigen Alltagstauglichkeitstest zu unterziehen. Einer der Audis kostet 120.000 Euro. GN findet den Kaufpreis nicht gerechtfertigt und stellt eine Summe von max. 71.300 Euro in den Raum. Karl H. Däke vom BdSt findet es sei die reine „Verschwendung von Steuergeldern“. Next Energy hingegen hält 360.000 für einen günstigen Preis. „Offen sei auch, wieso die Autos für den dreimonatigen Test gekauft und nicht beispielsweise Opel Ampera geleast wurden.“

Fazit von pressw0rds:

1. Wenn man ein Auto leasen will, muss es auch existieren. Opel Amperas sind erst ab Ende 2011 verfügbar und können rein elektrisch nur ca. 60km-80km zurücklegen.

2. Die EWE steuert 50% zu den Fördermitteln des Bundes hinzu (geschätzt 10 Mio Euro) Woher weiß der BdSt, dass es sich um Steuergelder und nicht um „Industriegelder“ handelt? Davon abgesehen, ist eine Investition in Schlüsseltechnologien wie die Elektromobilität und entsprechende Forschungsprojekte nie Verschwendung.

3. Was wäre denn gewesen, wenn die Fördergelder ins Ausland geflossen wären? Diese Schlagzeile wäre interessant gewesen…

Update:  In dem Artikel wird unter anderem die verantwortliche Bereichsleiterin Dr. Bettina Lenz mit dem Worten zitiert, dass sie das für einen „günstigen Preis“ halte. pressw0rds hat nachgefragt und sie hat nie mit einem Reporter der Autobild gesprochen. Eine anschließende Email mit einem Dementi und der Bitte um Klärung blieb unbeantwortet…

Autobild erwähnt die DBM Energy in einem kurzen Newsticker. Erstmalig tauchte die Information der drei neu aufgebauten Audis und der Alltagstauglichkeitsprüfung in einem Artikel vom ADAC auf.

„Die Firma DBM Energy […] hat drei umgebaute Audi A2 an das Institut Next Energy verkauft. Dort wird die Technologie im Auftrag der Modellregion Oldenburg drei Monate lang getestet. Im Gegenzug erhält DBM rund 360.000 Euro aus dem Fördertopf der Bundesministerien für Wirtschaft und Umwelt. DBM strich 2010 bereits 275.000 Euro vom
Wirtschaftsministerium als Forschungsförderung ein […].“

Facts:

  • es gibt drei neue, zum Elektroauto umgebaute und mit Kolibri Akkus ausgestatte Audis
  • diese werden im Raum Oldenburg über den Zeitraum von drei Monaten getestet
  • dafür erhält die DBM Energy eine „Förderung“ vom BMWi über 360.000 Euro (=120.000 Euro pro Audi)

Die Vorwürfe und offenen Fragen an DBM sind manigfaltig, aber fragen wir doch mal anders herum:

Ein kleines Update von Papstar, eine der ersten Firmen die das Potential der Kolibri Batterie der DBM Energy erkannt haben. Papstar setzt mittlerweile 11 Kolibri Akkus aktiv ein und hat zwei weitere bestellt. Die Schubmaster Stapler laufen dabei 25h am Stück, was ungefähr 18h Netto Betriebsstunden entspricht. Aufgeladen wird zwischen 2,5 und 4 Stunden. Daten der Batterie:

  • 48 V
  • 560 Ah
  • = 26,88 kWh
  • 790 kg inkl. Batterietrog (die Batterie wurde „künstlich“ beschwert um das Mindeststaplergewicht einzuhalten)

Wie bereits in Artikeln von cleanthinking und der Morgenpost (als PDF) angedeutet, wurde eine Aktiengesellschaft unter dem Namen „Kolibri Power Systems AG“ gegründet. Eine entsprechende Neueintragung findet sich seit dem 10.05.2011 beim Unternehmensanzeiger (vgl. elektronischen Bundesanzeiger). In einigen Foren / Kommentaren wurde die Gründung angezweifelt – hier also der Beweis.

Neueintragung

(06.05.2011. Satzung vom 15.02.2011)

Firma: Kolibri Power Systems AG

[…]

Gegenstand: Der Erwerb, die Entwicklung, die Verwaltung und die Verwertung – auch im Wege des e-commerce – von Lizenzrechten im In- und Ausland, insbesondere im Bereich Energiespeichersysteme; die Gründung von in- und ausländischen Gesellschaften sowie der Erwerb, die Verwaltung und die Veräußerung von Beteiligungen jedweder Art an in- und ausländischen Gesellschaften im eigenen Namen auf eigene Rechnung und nicht für Dritte; die Unterstützung der Gesellschaften an denen sie beteiligt ist. Stamm- bzw. Grundkapital: 50.000,00 EUR

Vertretungsregelung: Ist ein Vorstandsmitglied bestellt, so vertritt es die Gesellschaft allein. Sind mehrere Vorstandsmitglieder bestellt, wird die Gesellschaft durch zwei Vorstandsmitglieder oder durch ein Vorstandsmitglied in Gemeinschaft mit einem Prokuristen vertreten. Der Aufsichtsrat der Gesellschaft kann einzelnen Vorstandsmitgliedern das Recht zur alleinigen Vertretung erteilen.

Vorstand:; 1. Hannemann, Mirko, *01.02.1983, Erfurt; mit der Befugnis Rechtsgeschäfte als Vertreter Dritter abzuschließen

Rechtsform: Aktiengesellschaft; Satzung vom: 15.02.2011.